09/22/2001 through 10/22/2001
Johann Hauser
30. November 1926 - 7. Jänner 1996
Es fällt schwer, über Johann Hauser zu schreiben wie über andere Künstler, scher die trockenen Fakten seiner Biographie aufzulisten. Doch sei sie kurz erzählt:
Hauser wurde am 30. November 1926 in Bratislava in der heutigen Slowakei geboren. als Flüchlingskind kam er 1943 mit seiner Familie nach Österreich.
Er besuchte die ersten zwei Klassen einer Sonderschule, erlernte aber nie das Schreiben, bis auf seinen Namen in Blockbuchstaben. 17jährig wurde er schließlich wegen seiner psychischen Krankheit hospitalisiert und 1949 in die Niederösterreichische Landes-Nervenlinkik Maria Gugging, Klosterneuburg, aufgenommen. Da seine Mutter und seine beiden Halbschwestern keine Möglichkeit hatten, Johann Hauser ständig zu betreuen, blieb Gugging seine Heimat bis zu seinem Tod im Jahr 1996.
Selbst hätte Hauser sein künstlerisches Talent wohl nie erkannt, wenn nicht der damalige Leiter der Männerabteilung in Gugging Leo Navratil, als neue Therapie seine Patienten zu künstlerischer Beschäftigung angeregt hätte.
Hauser begann sich nur langsam dem Medium anzuvertrauen, nahm zuerst Zeichnungen anderer Künstler-Patienten als Vorbild, malte sie nach, kopierte und veränderte sie, bis er schließlich seine persönlichen Phantasien und Gefühle in die eigene Bildsprache transportierte.
Hausers Arbeiten wurden 1965 erstmals veröffentlicht, ab 1979/1980 folgten regelmäßig Einzelausstellungen, dazu kamen zahlreiche Beteiligungen an Ausstellungen über die Künstler von Gugging im In- und Ausland.
Navratil nannte die Arbeiten des manisch-depressiven Johann Hauser eine "zustandsgebunde Kunst". Eine Kunst, die also ganz von psychischen Zuständen abhängig ist, einerseits vom Überschwang und der Energie der manischen Periode gekennzeichnet ist, andererseits von einer totalen kreativen Abstinenz und Ideenleere während der depressiven Phase. Der Übergang zwischen den beiden Phasen erfolgt selten abrupt, vollzieht sich zumeist in graduellen Schüben, in denen sich Form und Farbgebung vereinfachen und bis zu äußerster Abstraktion führen. Bei gewissen Themen, wie Frauen, Flugzeugen und Panzern lassen sich diese Wechsel besonders deutlich nachvollziehen.
In Zeiten tiefster Depressionen engt sich die Motivwahl immer weiter ein, alles Komplizierte wird vermieden: einfache Formen wie Herz, Schlange, Kreuz oder nur ein Quadrat bleiben übrig.
Johann Hausers Bilder werden immer irritieren, werden jeden, der sich auf sie einlässt, begeistern und wahrscheinlich schwer wieder loslassen. Die Bilder sind zutiefst persönliche Äußerungen des Künstlers, unreflektiert, unzensiert, sie sind der Spiegel der Seele.
Georg Peithner-Lichtenfels

