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 Harald GFADER





Geboren am 30. September 1969 in Feldkirch.

1985 - 1991 Studium an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien bei den Professoren Tasquil (1985 - 1987) und Frohner (1987 - 1991). Diplom 1991.


NEWS:

Neues Buch von Harald Gfader:

"Die Erfindung der Milchstraße"



1988 Preis der Stadt Wien
1989 Förderungspreis für Wissenschaft und Kunst des Landes Vorarlberg.

Seit 1994 Ausstellungsverbot Palais Thurn und Taxis, Bregenz.

1999 Arbeitsstipendium ODISEE des Bundeskanzleramtes, Sektion Kunst


AUSSTELLUNGSEXPERIMENTE (Auswahl):

1987 FABRIKSKUNST, Nenzing (mit Beck, Lixl, Menia, Moser, Sagmeister)
1990 SIMULTAN STIMULATION, Buchprojekt mit N. Mayer
1990 DER DINGE STAND, Projekt Kunst am Bau, Stiftung Maria Ebene, Feldkirch (mit Arch. E. Steinmayr - Katalog)
1992 SUBJEKTIV II, Pförtnerhaus, Feldkirch
1993 GIB RAUM, Projekt Kunst am Bau im AKH, auf Einladung der Stadt Wien
1994 KRAFTFELD - KRAFTFELD KOMPRIMIERT, Projekt Kunst am Bau, Schulschizentrum Tschagguns (Arch. M. Häusle)
1995 CAMERA OBSCURA SENZA CAMERA, studio 48, Italien
1996 PROJET POUR UNI DUFOR... , Projekt Kunst am Bau, Genf ( mit Arch. M. Häusle)
1996 SUSRED ART MANUFAKTUR, Wien, New York, Brüssel, Prag, ...
1997 VERKÜRZUNG DER REALITÄT, Konzept Computer-Malerei, im Auftrag von OUTPUT-Zürich
1998 (…), Holocaust Denkmal am Bahnhof Feldkirch



BARBARA BAUM, BAUHOLDING STRABAG KUNSTFORUM

Harald Gfader " Die Erfindung der Milchstrasse 3"

Ausstellung, Galerie Peithner-Lichtenfels, November 2005

Der Vorarlberger Künstler Harald Gfader ist schon seit einigen Jahren mit der Galerie Peithner-Lichtenfels eng verbunden. Bereits im Jahr 2000 waren seine Köpfe unter dem Titel „Dissonanzen“ ausgestellt. Harald Gfader lebt in Italien und Vorarlberg. Er studierte bei Adolf Frohner und Herbert Tasquil an der Hochschule für angewandte Kunst. Seine Entwicklung wurde von der durch Material und Textur geprägte, körperlich-figurative Kunst Frohners, die vom Wiener Aktionismus herrührt, beeinflusst.

Die Beschäftigung mit der italienischen Kunst des 17. Jahrhunderts wie auch mit der italienischen Moderne prägte die Werke der letzten Jahre. Tintorettos Bild „Ursprung der Milchstraße“, heute in der Londoner National Gallery, war der formale Auslöser für die mehrteilige Ausstellungsreihe „Die Erfindung der Milchstraße“.

Harald Gfader ist kein mit ausschließlich retrospektiven Mitteln arbeitender Künstler. Die Kenntnis der Kunstgeschichte ist für ihn eine Fußnote, ein Querverweis für das Aufspüren von Qualitäten. Seine Entwicklung zeigt, dass er sich von Anhaltspunkten, die es dem Betrachter leicht machen, langsam und nicht zu ungestüm befreit. Figürliches wurde abstrahiert, manieristisch gedrehte Körperakte verfestigt. An Formgebungen wie Kopf, Kreis oder Torso, an klassischen Bildfindungen hielt er fest. Wir sehen in der neuen Ausstellung die Werke der letzten beiden Jahre, frische, gewagtere Arbeiten, die wie immer von der erstaunlichen Kraft des Neuanfangs bestimmt sind. Präsentiert werden sie auf roher Leinwand, teils Wandbehang, teils auf dicke Rahmen aufgezogen, teils in Schaukästen. Das Experiment, die Inszenierung und Werkinstallationen braucht bei Gfader Worte, Sprache, Klang, Haptik sowie die Gegebenheit des Raums. Sein Strich und malerischer Einsatz ist sicher, sein alchimistischer Umgang mit dem Malmaterial ebenso.

Es geht dem Künstler darum, die „Balanz“ zu finden (Ausstellungstitel), nicht die Balance, nicht das Elegant-Dekorative, sondern das Wahre, Bodenständig- Echte. Dazu hat zunächst das Experimentieren geführt, dann das Abwerfen von Altlasten. Dabei kann er nicht mit dem Kopf durch die Wand sondern es erfordert großes Wissen um die Zusammenhänge, jahrelanges Hinterfragen und Intellekt.
Harald Gfaders Kunst beruht auf dem Erzählen von Geschichten, dem Verankertsein in einer Heimat, einer narrativen Tradition, auf Ikonographie. Er möchte Traditionen weiterführen, um ein Statement gegen rein modische Kunstauffassungen zu geben. Seine Form der sich ständig weiterentwickelnden Modernität grenzt sich auf selbstverständliche Weise von allgemeiner Vordergründigkeit ab.

Der Körper ohne Kopf, dargestellt als Rückentorso, steht blockhaft vor uns, verankert. Die Inhalte der fehlenden Köpfe, Intellekt und Emotion, sind in Metaphern, Formen, Farben dargestellt. Sie sind überzogen von den Schleiern der Konfusion und der Irritation, des Zweifels. Die malerische Milchstraße, ein unendliches Band geistiger Grenzüberschreitung wird vom Künstler verlassen, um auf Konkretes, auf Zahlen und Worte, zu stoßen, die Stabilität und Vernunft verdeutlichen. Gfaders Arbeiten verweisen auch auf menschliche Werte. Das Weibliche, die Frau an sich, eingebunden in den Kreislauf der Gestirne, emotional reicher als ein Mann und nährend, ist sein Bedeutungsträger. Monde, Scheiben, Sonnen, Sterne erscheinen als sich der Popart annähernde Symbole auf hängenden Leinwänden.


Harald Gfader erforscht den ewigen Mythos Mensch. Ursprung und Ende, die Ambivalenz von Schönheit und Vergänglichkeit sind in seinen Werken enthalten. Das menschliche Universum scheint überbewertet in Anbetracht der Größe und Kraft der Galaxien im Universum. Der Körper, die Milchstrasse sind bloße Metapher, Ausdrucksträger des Geistes- denn die Größe des einzelnen findet im Kopf statt.




TEXTAUSZUG VON KARL A. IRSIGLER:

"... Seine Psychogramme werden immer seismographischer. In den blockhaften Wesen wohnen starke Lebensenergien, machen sich aus ihren Hüllen und Zwängen frei. Ein malerischer Befreiungsakt legt Adern, Nerven der betroffenen bloß. Dieser Akt schützt Gfader vor jedweder Pedanterie. Im Moment der Fertigstellung ist jedes Bild so, als ob es leicht hingesetzt wäre. Keine seiner Werke weisen optische Mühsal oder „brave Anstrengung“ auf.

Viele Sammler und Kenner leben in einem streitbaren Dialog ob nun Gfader ein Abstrakter oder Figurativer sei! Gfaders größter Wunsch ist es nicht gerade in diese eher kleinmütige Diskussion einbezogen zu werden. Seine Aufgabe ist eine andere. Sein schnell entstehendes Oeuvre hat eine andere Motivation Bilder zu malen, Kunst zu schöpfen. Erdenken und Erfahren – ist existentielle Arbeit an sich selbst. Man erwartet sich heute vom Künstler am kollektiven Problem unserer Welt teilzuhaben. Psyche zu erfahren und bildnerisch zu realisieren ist Ehrlichkeit und ein Weg der Toleranz sich selbst und seiner Umwelt gegenüber. Gfaders Werke sind primär auf die Betroffenheit des Beschauers ausgelegt. Wollte er Wände bloß schmücken so sähe das Ergebnis wohl etwas anders aus.

Die äußerste Form, Widerstand zu brechen ist die Zerstörung an sich: Ein nicht bloß primitiver Gestus, entstamme er nun der Verzweiflung oder einfach einer erdgebundenen Lust. Die Antwort heißt bei Gfaders Werken nicht „wiederherstellen“ , sondern: den Zerstörungsakt dem Bilde einverleiben – als Ausdruck und als Form.

Das Wesen des Künstlers ist auch von der Außenwelt mit bestimmt und somit stark gesteuert. Ebendiese „Welt“ liebt –im soziologischen Sinn- ob eines mythischen Heroisierungsetikett, dass nun mal in uns innewohnt, den Künstler als alter "deus", welcher uns Beschauern, Kennern und Liebhabern ein alter ego anbietet, das uns helfen kann, eigene Probleme und Situationen zu erkennen.
Ungeachtet dieser kritischen Bemerkung zieht in jedem Augenblick auch die Normalität in des Künstlers Leben zurück. Tag für Tag geht es wieder weiter: Leinwände kaufen, Farben erwerben, zeichnen skizzieren, malen, reflektieren, Probleme sehen, die Materialien mischen, sie aufeinander prallen lassen,..............."